Abraham Spycher

Verwendung

Es rentiert nicht, aber es lohnt sich…

Der Spycher ist als Familien – Geschichts – Ort zu einem Ausstellungsraum auf zwei Geschossen eingerichtet. Die Familiennamen meiner Vorfahren sind: Moser, Kohler, Wälti, Schneider, Grunder, Gerber und Grossenbacher, die meisten heimatberechtigt in unserer Kirchgemeinde Biglen. Meine Vorfahren waren Bauern, Metzger, Käser, Müller und Wirte. Wem das jetzt zu stark nach überfülltem Heimatmuseum mit dutzenden von Heugabeln und Dreschflegeln tönt sei beruhigt. Meine Frau und ich sind in diesem Bezug sehr achtsam was diesen beiden Räumen gut tut oder eben nicht. Die Einzigartigkeit des fast 300 jährigen Holzbaus und seine Seele sind immer noch spür- und erlebbar.

Das Erdgeschoss rechte Seite ist Jost Moser, dessen Namen das Holzschloss trägt, gewidmet werden. Sein bekanntes Portrait mit seinem Vater ist als Druck aufgehängt. Eine Truhe von 1678 steht für dieses Jahrhundert das vom Bauernkrieg geprägt wurde. Meine Moser- Vorfahren waren Müller zuletzt in der Walke- Schönislehn. Kornsäcke von Christian Moser zeugen davon. Ein Stammbaum meiner Linie zum Stammvater ist vorhanden, wer weitere Vertreter sucht, kann anhand der Aufzeichnungen von Julius Billeter oder der Geburtsrodel der Kirchgemeinde Biglen die als PDF Formate vorliegen, fündig werden.

Das Erdgeschoss linke Seite ist dem Mundartdichter Karl Grunder gewidmet. Meine Ur-Ur-Grossmutter Rosette Pauli war Karls Tante und ihr Aussteuer Trögli ist original vorhanden. Auch zu sehen ein Schrank der Eheleute Christian Grunder und Rosette Pauli datiert von 1875. Sie waren Grunders von der Hammegg Nachbarn im Golpisberg –Neuhaus. Ausgesuchte Fotos, seine Bücher und weitere Gegenstände von Karl Grunder sind hier ausgestellt. Ein Stammbaum der Grunder und Pauli Familien aus Vechigen ist aufgehängt.

Im Obergeschoss rechte Seite sehen wir eine Original – Truhe von 1784. Sie stammt von Vorfahren der Kohlers von Landiswil. Samuel Gottlieb Kohler „Negoziant“ und Tabakfabrikant baute 1884 sein ansehnliches Wohn und Geschäftshaus an der neuen Strasse Biglen – Obergoldbach. Das Haus im Schweizer Holzstil erbaut ist mittlerweile ein geschütztes K-Objekt. Seine Nachfahren wurden zu „Samelis“. Eine kleine Auswahl des Ladensortiments vermittelt einen Einblick und lädt zum “Chrämerle” ein. Ebenfalls auf der rechten Seite ist die Fotokamera meines Grossvaters Fritz Moser ausgestellt. Seine Fotos – einsehbar in einigen Albumbänden – sind Zeitzeugen und geben Einblick in das Leben der Familie.

Das Obergeschoss linke Seite ist Fritz Wälti von Arni gewidmet. Er wirtete im Löchlibad und anschliessend in der „Sagi“. Aus zwei Ehen stammen 14 Kinder und vielleicht finden auch sie im Stammbaum eine persönliche Wurzel? Nehmen Sie einen Moment Platz in der nachgefühlten “Gaststube” und versetzen Sie sich zurück in die Vergangenheit. Das Metzgergewerbe führte auch sein Sohn Adolf aus der 50 Jahre im Rössli wirtete. Sein Schwiegersohn, mein Grossvater Paul Gerber, stammt selber aus einer bekannten Metzgerdynastie der Gerber von Langnau in Grosshöchstetten. Gegenstände, Werkzeuge und Fotos dokumentieren das Wirten und Metzgen.

Abraham Spycher alte Zeichnung

Wen wollen wir ansprechen?

Die doch recht aufwändige Restauration des Spychers soll als gelungene Zusammenarbeit der Denkmalpflege und der Bauherrschaft dienen. Das Motto „es rentiert nicht aber es lohnt sich“ soll als Anstoss für Besitzer von altehrwürdigen Spychern sein, ihre Schatzkästchen zu pflegen und zu erhalten. Bei uns sehen sie wie es gelingen kann.

Zukunft braucht Herkunft. Wer Familienwurzeln in unsere Gegend hat, kann hier schnell fündig werden wo seine Vorfahren gelebt und was sie gearbeitet haben. Wer noch alte Dokumente besitzt deren Schrift er selber vielleicht nicht mehr lesen kann, erhält vielleicht Spass daran selber auf Wurzelsuche zu gehen. Es ist heute sehr einfach über die Geburtsrödel der Kirchgemeinden, die alle online einsehbar sind, seinen Vorfahren nachzuforschen. So erhält ein uraltes Foto oder der eingeschriebene Name in einer alten Bibel einen ganz anderen und persönlichen Bezug.

Wie ein roter Faden zieht sich eine Botschaft durch den Spycher: Handwerklich hochstehende Arbeiten, hiesige Produkte auf Langlebig- und Beständigkeit hergestellt, sowie schönes zeitloses Design und unaufdringlichen Schmuck. Wir stehen für einen wertschätzenden Umgang mit alten Sachen und Möbeln ein und versuchen den Sinn dafür wieder vermehrt in Erinnerung zu rufen.

Erich und Angelika Moser